
Wasserlinsen im Aquarium
Natürlicher Nitratsenker – Pflege, Kontrolle und die besten Arten
Das Wichtigste auf einen Blick
Wasserlinsen sind die wohl effektivsten natürlichen Nitratsenker für das Aquarium. Sie wachsen schnell, nehmen Nährstoffe direkt aus dem Wasser auf und sind ideal für Garnelenbecken. Der einzige Haken: Sie vermehren sich so schnell, dass regelmäßiges Ausdünnen unerlässlich ist.
Kaum eine Pflanze ist so unscheinbar und gleichzeitig so nützlich wie die Wasserlinse. Diese winzigen Schwimmpflanzen, die zur Familie der Aronstabgewächse gehören, sind die kleinsten Blütenpflanzen der Welt – und gleichzeitig wahre Nährstoffpumpen. In einem gut geführten Aquarium können sie helfen, Nitrat und Phosphat auf natürlichem Weg niedrig zu halten, ohne dass man zu chemischen Mitteln greifen muss.
Wer Wasserlinsen einmal im Becken hat, wird sie nicht mehr missen wollen – aber man muss lernen, mit ihrem Wachstum umzugehen. Denn was als kleines Büschel beginnt, kann sich innerhalb weniger Wochen zur dichten Decke entwickeln, die das Licht für Unterwasserpflanzen blockiert.
Inhalt dieser Seite
Was sind Wasserlinsen?
Das Wichtigste auf einen Blick
Wasserlinsen (Lemnaceae) sind frei schwimmende Schwimmpflanzen, die ihre Nährstoffe direkt aus dem Wasser beziehen. Sie gehören zu den am schnellsten wachsenden Pflanzen der Welt.
Wasserlinsen sind keine Algen, auch wenn sie auf den ersten Blick so aussehen mögen. Es sind echte Blütenpflanzen – die kleinsten der Welt. Jedes einzelne Pflänzchen besteht aus einem winzigen, ovalen Blättchen (dem sogenannten Thallus) und einem oder mehreren feinen Wurzelfäden, die ins Wasser hängen. Über diese Wurzeln nehmen sie Nährstoffe direkt aus dem Wasser auf: Nitrat, Phosphat, Ammonium und Spurenelemente.
Was Wasserlinsen so besonders macht, ist ihre Wachstumsgeschwindigkeit. Unter guten Bedingungen können sie ihre Biomasse innerhalb von 2–4 Tagen verdoppeln. Das macht sie zu einem der effektivsten natürlichen Nitratsenker, die es gibt – aber es bedeutet auch, dass man sie im Auge behalten muss. Eine unkontrollierte Wasserlinsen-Decke blockiert das Licht für Unterwasserpflanzen und kann den Gasaustausch an der Wasseroberfläche beeinträchtigen.
Im Aquarium sind Wasserlinsen seit Jahrzehnten beliebt – besonders in Garnelen- und Aufzuchtbecken, wo ihre dichten Wurzeln als Versteck und Lebensraum für Kleinstlebewesen dienen. Auch als Fischfutter werden sie von vielen Arten gerne genommen.
Wasserlinsen-Arten für das Aquarium
Das Wichtigste auf einen Blick
Für die meisten Aquarien ist Lemna minor die erste Wahl – robust, günstig und überall erhältlich. Für Nano-Becken empfiehlt sich Wolffia arrhiza.
Es gibt weltweit über 30 Wasserlinsen-Arten, aber für das Aquarium kommen im Wesentlichen drei in Frage. Die Unterschiede liegen vor allem in der Größe, der Wachstumsgeschwindigkeit und der Verfügbarkeit im Handel.
Die mit Abstand bekannteste und am häufigsten verwendete Art ist Lemna minor, die Kleine Wasserlinse. Ihre ovalen Blättchen sind 2–5 mm groß, hellgrün und haben jeweils eine einzelne Wurzel. Sie ist extrem robust, verträgt ein breites Spektrum an Wasserwerten und ist in jedem Aquarienhandel zu bekommen. Für Einsteiger ist sie die ideale Wahl.
Wer ein größeres Becken hat und eine etwas langsamere Wachstumsrate bevorzugt, kann Spirodela polyrhiza (Vielwurzelige Wasserlinse) ausprobieren. Ihre Blättchen sind mit 5–10 mm deutlich größer, auf der Unterseite oft rötlich-violett gefärbt und haben mehrere Wurzeln. Sie wächst etwas langsamer als Lemna minor und ist damit leichter zu kontrollieren.
Für Nano-Aquarien ist Wolffia arrhiza, die Zwergwasserlinse, eine faszinierende Option. Mit nur 0,5–1 mm Durchmesser ist sie die kleinste Blütenpflanze der Welt – kaum größer als ein Stecknadelkopf. Sie hat keine Wurzeln und schwimmt einfach an der Oberfläche. Im Handel ist sie seltener zu finden, aber in Aquaristik-Foren und Tauschbörsen gut zu bekommen.
| Art | Größe | Wachstum | Besonderheit | Empfehlung |
|---|---|---|---|---|
| Lemna minor | 2–5 mm | Sehr schnell | 1 Wurzel, hellgrün | Einsteiger, alle Becken |
| Spirodela polyrhiza | 5–10 mm | Mittel | Mehrere Wurzeln, Unterseite rötlich | Größere Becken |
| Wolffia arrhiza | 0,5–1 mm | Schnell | Keine Wurzeln, kleinste Blütenpflanze | Nano-Aquarien |
Wasserlinsen als natürlicher Nitratsenker
Das Wichtigste auf einen Blick
Wasserlinsen nehmen Nitrat, Phosphat und Ammonium direkt aus dem Wasser auf. Je schneller sie wachsen, desto mehr Nährstoffe entziehen sie dem Wasser.
Der Mechanismus ist einfach und elegant: Wasserlinsen wachsen schnell, und für dieses Wachstum brauchen sie Nährstoffe – genau die Nährstoffe, die im Aquarium zu Problemen führen, wenn sie sich ansammeln. Nitrat, Phosphat und Ammonium werden direkt über die Wurzeln aufgenommen und in Pflanzenmasse umgewandelt. Wenn man die überschüssigen Wasserlinsen regelmäßig abschöpft und entsorgt, werden diese Nährstoffe dauerhaft aus dem System entfernt.
Das ist der entscheidende Unterschied zu vielen anderen Maßnahmen gegen hohe Nitratwerte: Wasserlinsen entfernen Nitrat wirklich aus dem Wasser – sie lagern es nicht nur um. Nitratsenker-Produkte aus dem Handel binden Nitrat oft nur vorübergehend oder wandeln es in andere Verbindungen um. Wasserlinsen bauen es in Pflanzenmasse ein, die man dann einfach abschöpft und entsorgt.
Wie viel Nitrat Wasserlinsen tatsächlich senken, hängt von ihrer Wachstumsgeschwindigkeit ab – und die wiederum hängt von Licht, Temperatur und der verfügbaren Nährstoffmenge ab. In einem stark besetzten Becken mit guter Beleuchtung können Wasserlinsen die Nitratwerte spürbar niedrig halten. In einem schwach besetzten Becken mit wenig Licht wachsen sie langsamer und haben entsprechend weniger Wirkung.
| Parameter | Optimaler Bereich | Wirkung auf Wachstum |
|---|---|---|
| Temperatur | 20–28 °C | Optimales Wachstum, maximale Nährstoffaufnahme |
| Beleuchtung | 8–12 Stunden/Tag | Starkes Wachstum, schnelle Nitrataufnahme |
| pH-Wert | 6,5–7,5 | Kein Einfluss auf Wachstum |
| Nitrat (NO₃⁻) | > 10 mg/L | Fördert Wachstum, wird aktiv aufgenommen |
| Strömung | Ruhige Oberfläche | Starke Strömung hemmt Wachstum |
Pflege und Kontrolle im Aquarium
Das Wichtigste auf einen Blick
Wasserlinsen brauchen kaum Pflege – aber regelmäßiges Ausdünnen ist Pflicht. Niemals mehr als 50–70 % der Wasseroberfläche bedecken lassen.
Wasserlinsen sind die pflegeleichtesten Pflanzen, die man ins Aquarium setzen kann. Sie brauchen keinen Bodengrund, keinen Dünger, keine besondere Beleuchtung und keine Pflanzschere. Was sie brauchen, ist Platz an der Wasseroberfläche und gelegentliches Ausdünnen.
Die wichtigste Pflegemaßnahme ist das regelmäßige Abschöpfen. Idealerweise decken Wasserlinsen nicht mehr als 50–70 % der Wasseroberfläche ab – so bleibt genug Licht für Unterwasserpflanzen und der Gasaustausch an der Oberfläche ist gewährleistet. Beim wöchentlichen Wasserwechsel einfach einen Teil der Wasserlinsen mit einem feinen Kescher abschöpfen und entsorgen. Die abgeschöpften Wasserlinsen können als Dünger für Zimmerpflanzen oder als Futter für Hühner und andere Tiere verwendet werden – sie sind sehr nährstoffreich.
Wer verhindern möchte, dass Wasserlinsen in bestimmte Bereiche des Beckens treiben, kann einen schwimmenden Ring aus einem Saugnapf und einem Stück Schlauch basteln – die Wasserlinsen bleiben dann in einem definierten Bereich. Das ist besonders praktisch in Becken mit starker Oberflächenströmung oder wenn man einen Teil der Oberfläche freihalten möchte.
Wöchentlich ausdünnen
Beim Wasserwechsel einen Teil der Wasserlinsen mit einem feinen Kescher abschöpfen. Ziel: maximal 50–70 % der Oberfläche bedeckt lassen. Die abgeschöpften Pflanzen können als Dünger oder Tierfutter verwendet werden.
Strömung anpassen
Starke Oberflächenströmung hemmt das Wachstum und kann Wasserlinsen zusammendrängen. Den Filterauslauf so einstellen, dass ein ruhiger Bereich an der Oberfläche entsteht.
Licht regulieren
Bei sehr starkem Wachstum die Beleuchtungsdauer auf 8 Stunden reduzieren. Das verlangsamt das Wachstum, ohne die Pflanzen zu schädigen.
Gelbe Blätter entfernen
Gelbliche oder durchsichtige Wasserlinsen sind abgestorben und sollten entfernt werden – sie zersetzen sich sonst im Wasser und belasten die Wasserwerte.
Wasserlinsen im Garnelenbecken
Das Wichtigste auf einen Blick
Wasserlinsen sind ideal für Garnelenbecken: Die Wurzeln bieten Junggarnelen Schutz, die Nährstoffaufnahme stabilisiert die Wasserwerte, und Garnelen fressen Mikroorganismen von den Wurzeln.
Kein Pflanzentypus passt so gut zu Garnelen wie Wasserlinsen. Die feinen Wurzeln, die ins Wasser hängen, sind für Junggarnelen ein idealer Lebensraum: Sie bieten Schutz vor größeren Tieren, sind mit Mikroorganismen, Algen und Biofilm besiedelt – und genau das ist das Lieblingsessen von Garnelen. Wer schon einmal beobachtet hat, wie Garnelen stundenlang an Wasserlinsen-Wurzeln herumknabbern, versteht, warum diese Pflanzen in keinem Garnelenbecken fehlen sollten.
Dazu kommt der wasserwertverbessernde Effekt: Garnelen – besonders die empfindlichen Caridina-Arten – reagieren sehr sensibel auf Nitrat und Phosphat. Wasserlinsen halten diese Werte niedrig und tragen so zu stabilen, garnelenfreundlichen Wasserwerten bei. In Kombination mit regelmäßigen Wasserwechseln und einem gut eingelaufenen Filter sind Wasserlinsen ein wichtiger Baustein für ein gesundes Garnelenbecken.
Auch für die Aufzucht von Jungfischen und Jungkrebsen sind Wasserlinsen wertvoll: Die dichte Wurzelstruktur bietet Schutz vor Fressfeinden, und die Mikroorganismen an den Wurzeln sind eine natürliche Erstnahrung für Nachwuchs, der noch zu klein für normales Futter ist.
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Weiterführende Ratgeber

Über den Autor
Rainer StolteRainer Stolte beschäftigt sich seit über 30 Jahren leidenschaftlich mit der Aquaristik. Als erfahrener Aquarianer und Inhaber eines Unternehmens für Aquarium- und Gartenteichpflegeprodukte kennt er die Stärken und Tücken von Schwimmpflanzen aus jahrelanger Praxis – und hat diesen Ratgeber auf Basis seiner Erfahrung als Produktentwickler für Aquaristik-Pflegeprodukte in 23 Ländern verfasst.
Wasserwerte und Licht: gute Orientierung für Wasserlinsen
Die folgenden Werte sind eine praxistaugliche Orientierung und keine starren Vorgaben. Für ein gesundes Aquarium sind ruhige, gleichbleibende Bedingungen in deinem Becken wichtiger als eine punktgenaue Zielzahl.
| Parameter | Toleranter Bereich | Einfacher Startpunkt | Hinweis für die Pflege |
|---|---|---|---|
| Temperatur | etwa 18–28 °C | 20–25 °C | Schwimmpflanzen passen zu vielen normalen Süßwasserbecken. |
| pH-Wert | etwa 6,0–8,0 | 6,5–7,5 | Ein stabiler, üblicher Bereich genügt. |
| Gesamthärte (GH) | etwa 5–20 °dGH | 8–15 °dGH | Weicheres bis mittelhartes Wasser wird meist gut toleriert. |
| Karbonathärte (KH) | etwa 3–15 °dKH | 5–10 °dKH | Spezialwasser ist nicht erforderlich. |
| Lichtintensität | Mittel bis hoch | ca. 25–45 Lumen pro Liter* | Als Oberflächenpflanze braucht Wasserlinse Licht ohne starke Dauerbeschattung. |
| Beleuchtungsdauer | etwa 6–8 Stunden täglich | 6–7 Stunden | Die Oberfläche regelmäßig ausdünnen, damit unten noch Licht ankommt. |
| CO₂ | Nicht erforderlich | Ohne Zusatzversorgung möglich | Zusätzliches CO₂ kann das Wachstum unterstützen, ist für diese Pflanze aber kein Muss. |
* Lumenwerte sind eine grobe Orientierung. Beckenhöhe, Leuchtenabstand, Wasserfärbung und Bepflanzung beeinflussen, wie viel Licht tatsächlich an der Pflanze ankommt.