Algenarten im Aquarium erkennen und bestimmen
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6 AlgenartenBestimmungshilfeSchnelltabelle

Algenarten im Aquarium erkennen

Bestimmungshilfe für alle häufigen Algen – mit Schnelltabelle, Erkennungsmerkmalen und ersten Maßnahmen

Algen sind ein natürlicher Bestandteil jedes aquatischen Ökosystems. Ein geringes Algenwachstum ist normal und zeigt, dass das Becken lebt. Problematisch wird es erst, wenn bestimmte Algenarten überhandnehmen – und das ist fast immer ein Signal für ein Ungleichgewicht im System.

Der erste und wichtigste Schritt bei jedem Algenproblem ist die genaue Bestimmung der Algenart. Denn jede Algenart hat andere Ursachen und erfordert andere Maßnahmen. Diese Seite hilft dir, die häufigsten Algenarten sicher zu identifizieren.

1. Wie bestimme ich meine Alge?

Direkte Antwort: Die drei zuverlässigsten Erkennungsmerkmale sind Farbe, Struktur und Wuchsort. In 90 % der Fälle reichen diese drei Kriterien für eine sichere Bestimmung aus.

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Farbe

  • ·Grün → Grünalgen, Fadenalgen, Schwebealgen
  • ·Braun → Kieselalgen
  • ·Dunkelgrün/Schwarz → Pinselalgen
  • ·Blaugrün/Schwarz mit Geruch → Blaualgen
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Struktur

  • ·Beläge (abwischbar) → Grünalgen, Kieselalgen
  • ·Lange Fäden (aufwickelbar) → Fadenalgen
  • ·Feste Büschel → Pinselalgen
  • ·Schleimige Häute → Blaualgen
  • ·Trübes Wasser → Schwebealgen
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Wuchsort

  • ·Überall gleichmäßig → Kieselalgen (neu)
  • ·Pflanzenränder, Steine → Pinselalgen
  • ·Bodengrund, strömungsarme Stellen → Blaualgen
  • ·Freies Wasser → Schwebealgen

Pinselalgen-Test: Du bist dir nicht sicher, ob es Pinselalgen oder Fadenalgen sind? Nimm ein befallenes Blatt oder einen Stein und tauche ihn kurz in reinen Alkohol (Isopropanol oder Brennspiritus). Pinselalgen färben sich innerhalb von Minuten rot – Fadenalgen bleiben grün. Dieser Test ist eindeutig und zuverlässig.

2. Schnellbestimmungs-Tabelle

Die folgende Tabelle gibt einen strukturierten Überblick über alle sechs häufigen Algenarten im Süßwasseraquarium – mit den wichtigsten Erkennungsmerkmalen und der Bekämpfungsschwierigkeit auf einen Blick.

AlgenartFarbeFormHauptursacheSchwierigkeit
Schwebealgen (Grünwasser)Grün (trübt das Wasser gleichmäßig)Einzellige, mikroskopisch kleine Algen im freien WasserDirektes SonnenlichtMittel
FadenalgenHellgrün bis dunkelgrünLange, einzelne oder verfilzte FädenCO2-MangelMittel
Pinselalgen (Bartalgen)Dunkelgrün, grau, schwarzBüschelartige, pinselartige FädenSchwankende oder zu niedrige CO2-WerteSchwer
Kieselalgen (Diatomeen)Braun, gelbbraunSchmierige, gleichmäßige BelägeSilikat im WasserEinfach (verschwindet oft von selbst)
Blaualgen (Cyanobakterien)Blaugrün, grün, schwarz, rotSchleimige Teppiche, HäuteNährstoffmangel (besonders Nitrat)Mittel bis schwer

3. Die 6 häufigen Algenarten im Detail

Jede Algenart hat ihre eigenen Erkennungsmerkmale, Ursachen und Bekämpfungsstrategien. Klicke auf den jeweiligen Abschnitt, um direkt zu einer Algenart zu springen.

Schwebealgen (Grünwasser)

Chlorella, Euglena, Chlamydomonas u. a. (Chlorophyta)
Mittel
Schwebealgen (Grünwasser) im Aquarium

Schwebealgen bestehen aus einzelligen Grünalgen, die frei im Wasser schweben und es grün trüben – das Wasser sieht aus wie Erbsensuppe. Sie entstehen fast immer durch direkte Sonneneinstrahlung oder sehr starkes Kunstlicht in Kombination mit Nährstoffüberschuss. Im Gegensatz zu anderen Algenarten bilden Schwebealgen keinen Belag auf Oberflächen, sondern trüben das gesamte Wasser gleichmäßig.

FarbeGrün (trübt das Wasser gleichmäßig)
FormEinzellige, mikroskopisch kleine Algen im freien Wasser
WuchsortFreies Wasser – kein Belag auf Oberflächen
HauptursachenDirektes Sonnenlicht, Nährstoffüberschuss (Nitrat, Phosphat)

🔍 Sicher erkennen

Das Wasser ist gleichmäßig grün getrübt, ohne sichtbare Beläge auf Oberflächen. Kein Geruch. Tritt oft plötzlich auf, wenn das Becken direktem Sonnenlicht ausgesetzt wird. Test: Weißen Eimer mit Aquarienwasser füllen – bei Schwebealgen ist das Wasser deutlich grün.

Sofortmaßnahme

Direktes Sonnenlicht sofort unterbinden. Beleuchtungsdauer auf 6–7 Stunden reduzieren. UV-Klärer sind die effektivste Sofortmaßnahme. 3-tägige Komplettverdunkelung kann wirksam sein.

Ausführlicher Ratgeber zu Schwebealgen →

Fadenalgen

Spirogyra, Cladophora u. a.
Mittel
Fadenalgen im Aquarium

Fadenalgen wachsen als lange, einzelne oder verfilzte grüne Fäden, die sich an Pflanzen, Wurzeln und Steinen festsetzen. Sie können sich schnell ausbreiten und das gesamte Becken überziehen. Besonders häufig treten sie in Becken mit CO2-Anlage auf, wenn die CO2-Versorgung unregelmäßig ist oder nachts abschaltet.

FarbeHellgrün bis dunkelgrün
FormLange, einzelne oder verfilzte Fäden
WuchsortPflanzen, Wurzeln, Steine, Filterauslässe
HauptursachenCO2-Mangel, Nährstoffungleichgewicht (Eisen, Nitrat), zu viel Licht

🔍 Sicher erkennen

Lange, grüne Fäden, die sich leicht aufwickeln lassen (Zahnstocher-Test). Weich bis leicht drahtig, je nach Art. Wachsen bevorzugt an Stellen mit guter Lichtversorgung und schwacher Strömung.

Sofortmaßnahme

Mechanisch aufwickeln und entfernen. CO2-Versorgung auf Stabilität prüfen (Dauertest). Amano-Garnelen einsetzen – sie sind die effektivsten Fadenalgen-Fressfeinde.

Ausführlicher Ratgeber zu Fadenalgen →

Pinselalgen (Bartalgen)

Audouinella, Compsopogon (Rotalgen)
Schwer
Pinselalgen (Bartalgen) im Aquarium

Pinselalgen gehören zu den hartnäckigsten Algen im Süßwasseraquarium. Sie sind keine echten Grünalgen, sondern Rotalgen (Rhodophyta) – erkennbar daran, dass sie in Alkohol rot werden. Sie wachsen bevorzugt an den Rändern langsam wachsender Pflanzen wie Anubias und Javafarn sowie an Steinen und Filtereinlässen.

FarbeDunkelgrün, grau, schwarz
FormBüschelartige, pinselartige Fäden
WuchsortPflanzenränder, Steine, Filtereinlässe, langsam wachsende Pflanzen
HauptursachenSchwankende oder zu niedrige CO2-Werte, schlechte Strömung

🔍 Sicher erkennen

Dunkelgrüne bis schwarze, büschelartige Fäden, die fest verankert sind und sich nicht abwischen lassen. Der Alkohol-Test ist eindeutig: Ein Blatt oder Stein mit Pinselalgen in reinen Alkohol tauchen – die Algen färben sich innerhalb von Minuten rot.

Sofortmaßnahme

CO2-Versorgung stabilisieren (Dauertest). Befallene Pflanzenblätter abschneiden. Siamesische Rüsselbarben (Crossocheilus siamensis) sind die wirksamsten Fressfeinde.

Ausführlicher Ratgeber zu Pinselalgen →

Kieselalgen (Diatomeen)

Bacillariophyta
Einfach (verschwindet oft von selbst)
Kieselalgen (Diatomeen) im Aquarium

Kieselalgen sind die typischen Algen des neuen Aquariums. Sie bilden braune, schmierige Beläge auf nahezu allen Oberflächen und treten fast immer in den ersten Wochen nach dem Einrichten auf. Sobald das Silikat verbraucht ist und sich das Becken eingespielt hat, verschwinden sie meist von selbst.

FarbeBraun, gelbbraun
FormSchmierige, gleichmäßige Beläge
WuchsortScheiben, Steine, Bodengrund, Pflanzen
HauptursachenSilikat im Wasser, schwaches Licht, junges Becken

🔍 Sicher erkennen

Braune, gleichmäßige Beläge, die sich leicht mit dem Finger oder einem Tuch abwischen lassen. Kein Geruch. Treten bevorzugt bei schwachem Licht auf und bedecken alle Oberflächen gleichmäßig.

Sofortmaßnahme

Geduld – in neuen Becken verschwinden Kieselalgen meist nach 4–8 Wochen von selbst. Otocinclus-Welse sind sehr effektive Fressfeinde. Lichtdauer auf 10 Stunden erhöhen.

Ausführlicher Ratgeber zu Kieselalgen →

Blaualgen (Cyanobakterien)

Cyanobacteria (keine echten Algen)
Mittel bis schwer
Blaualgen (Cyanobakterien) im Aquarium

Blaualgen sind keine echten Algen, sondern Cyanobakterien – Bakterien, die Photosynthese betreiben. Sie bilden blaugrüne bis schwarze, schleimige Teppiche mit einem charakteristischen muffigen oder fauligen Geruch. Sie können Toxine produzieren und sind für Fische und Garnelen potenziell gefährlich.

FarbeBlaugrün, grün, schwarz, rot
FormSchleimige Teppiche, Häute
WuchsortBodengrund, Steine, Pflanzen, Scheiben
HauptursachenNährstoffmangel (besonders Nitrat), schlechte Strömung, organische Belastung

🔍 Sicher erkennen

Schleimige, leicht ablösbare Häute oder Teppiche mit charakteristischem Geruch. Farbe variiert von blaugrün über grün bis schwarz. Wachsen bevorzugt in Bereichen mit schlechter Strömung. Der Geruch ist das zuverlässigste Erkennungsmerkmal.

Sofortmaßnahme

Sofort mechanisch absaugen (Mulmsauger). Strömung im Becken verbessern. 3-tägige Komplettverdunkelung kann wirksam sein. Bei hartnäckigem Befall: spezialisierte Blaualgen-Mittel.

Ausführlicher Ratgeber zu Blaualgen →

4. Nächste Schritte nach der Bestimmung

Sobald du die Algenart kennst, sind die nächsten Schritte klar: Ursache eingrenzen, dann gezielt bekämpfen. Die folgenden Seiten helfen dir dabei:

5. Häufige Fragen (FAQ)

Wie erkenne ich, welche Alge ich im Aquarium habe?+
Die zuverlässigsten Erkennungsmerkmale sind Farbe, Struktur und Wuchsort. Braune, schmierige Beläge auf Scheiben und Steinen sind fast immer Kieselalgen. Grüne, lange Fäden sind Fadenalgen. Schwarze oder dunkelgraue Büschel an Pflanzenrändern sind Pinselalgen (Bartalgen). Grüne Trübung des Wassers deutet auf Schwebealgen hin. Blaugrüne, schleimige Teppiche mit Geruch sind Blaualgen (Cyanobakterien).
Sind alle Algen im Aquarium schädlich?+
Nein. Ein geringer Bewuchs mit Grünalgen auf der Rückscheibe und Dekorationen ist völlig normal und sogar nützlich – er dient als Nahrung für Algenfresser und zeigt ein funktionierendes Ökosystem an. Problematisch wird es erst bei starkem, unkontrolliertem Wachstum. Blaualgen (Cyanobakterien) sind als einzige Algenart potenziell giftig und sollten immer konsequent bekämpft werden.
Was sind die häufigsten Algen im neuen Aquarium?+
In neu eingerichteten Aquarien treten fast immer zuerst Kieselalgen (braune Beläge) auf. Sie entstehen durch Silikat aus dem neuen Bodengrund und Leitungswasser und verschwinden in der Regel nach 4–8 Wochen von selbst, sobald sich das biologische Gleichgewicht eingespielt hat.
Warum werden meine Pinselalgen in Alkohol rot?+
Pinselalgen (Bartalgen) gehören zu den Rotalgen (Rhodophyta). Rotalgen enthalten das Pigment Phycoerythrin, das normalerweise durch das grüne Chlorophyll überdeckt wird. In Alkohol wird das Chlorophyll gelöst, und das rote Phycoerythrin wird sichtbar. Dieser Test ist ein zuverlässiges Erkennungsmerkmal für Pinselalgen.
Wie unterscheide ich Fadenalgen von Pinselalgen?+
Fadenalgen sind hellgrün bis dunkelgrün, weich bis leicht drahtig und wachsen als lose Fäden, die sich leicht aufwickeln lassen. Pinselalgen (Bartalgen) sind dunkelgrün, grau oder schwarz, haben eine büschelartige Struktur und sind fest an Pflanzenblättern und Dekorationen verankert. Sie lassen sich kaum abwischen und werden in Alkohol rot – Fadenalgen bleiben grün.
Was sind Blaualgen und sind sie wirklich Algen?+
Blaualgen sind keine echten Algen, sondern Cyanobakterien – Bakterien, die Photosynthese betreiben. Sie bilden blaugrüne bis schwarze, schleimige Teppiche mit einem charakteristischen muffigen Geruch. Sie können Giftstoffe produzieren und sind für Fische und Garnelen potenziell gefährlich.
Können Algen von alleine verschwinden?+
Kieselalgen in neuen Aquarien verschwinden tatsächlich oft von selbst, sobald sich das Becken eingespielt hat. Bei anderen Algenarten ist das selten der Fall – ohne Ursachenbeseitigung wachsen sie weiter. Schwebealgen können nach einer Komplettverdunkelung verschwinden, kehren aber zurück, wenn die Ursache nicht behoben wird.
Welche Alge ist am schwierigsten zu bekämpfen?+
Pinselalgen (Bartalgen) gelten als die hartnäckigsten Algen im Süßwasseraquarium. Sie sind fest verankert, lassen sich kaum mechanisch entfernen und haben nur wenige natürliche Fressfeinde. Die effektivste Bekämpfung erfordert eine Kombination aus CO2-Optimierung, stabiler Strömung und dem Einsatz von Siamesischen Rüsselbarben.
Können Algen Fische krank machen?+
Echte Algen (Grünalgen, Fadenalgen, Kieselalgen, Pinselalgen) sind für Fische in der Regel ungefährlich. Blaualgen (Cyanobakterien) können jedoch Toxine produzieren, die für Fische, Garnelen und andere Wasserbewohner schädlich sein können.
Wie verhindere ich, dass Algen ins Aquarium eingeschleppt werden?+
Neue Pflanzen, Steine und Dekorationen können Algensporen oder -fragmente mitbringen. Pflanzen vor dem Einsetzen kurz in einer schwachen Kaliumpermanganat-Lösung desinfizieren. Steine und Deko mit kochendem Wasser übergießen. Wasser aus Transportbeuteln niemals ins Aquarium geben, da es Algensporen enthalten kann.

Zusammenfassung: Algenarten auf einen Blick

Grünalgen
Grün, Beläge/Fäden/Trübung
Nährstoffüberschuss, viel Licht
Fadenalgen
Grün, lange aufwickelbare Fäden
CO2-Mangel, Nährstoffungleichgewicht
Pinselalgen
Schwarz/grau, Büschel, wird in Alkohol rot
Schwankende CO2-Werte
Kieselalgen
Braun, schmierig, abwischbar
Silikat, junges Becken
Blaualgen
Blaugrün, schleimig, Geruch
Schlechte Strömung, Nährstoffmangel
Schwebealgen
Grünes, trübes Wasser
Sonnenlicht, Nährstoffüberschuss
Rainer Stolte

Rainer Stolte

Aquaristik-Experte · 30+ Jahre Erfahrung bei Algenproblemen im Aquarium und Gartenteich · Inhaber eines Unternehmens für Wasserpflegeprodukte

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