
Aquarienpflanzen pflegen und schneiden
Rückschnitt, Vermehrung, Düngung – so bleiben deine Pflanzen gesund und das Aquarium sieht immer gepflegt aus.
Das Wichtigste auf einen Blick
Schnellwachsende Stängelpflanzen wöchentlich bis alle zwei Wochen schneiden, langsam wachsende Arten wie Anubias nur bei Bedarf. Immer oberhalb eines Blattknotens schneiden – dort treibt die Pflanze neu aus. Aufsitzerpflanzen (Javafarn, Anubias) nie in den Bodengrund setzen: Das Rhizom fault. Wöchentlich Flüssigdünger nach dem Wasserwechsel zugeben.
Kennst du das? Das Aquarium sah nach dem Einrichten wunderschön aus – übersichtlich, strukturiert, mit viel freiem Raum. Drei Monate später ist alles zugewachsen, die Stängelpflanzen haben die Wasseroberfläche erreicht, und die kleinen Bodendecker sind unter einem grünen Dach verschwunden. Pflanzen wachsen – und das ist gut so. Aber ohne regelmäßigen Schnitt verliert das Becken schnell seine Struktur.
Viele Aquarianer scheuen den Rückschnitt, weil sie befürchten, die Pflanzen zu beschädigen. Dabei ist das Gegenteil der Fall: Regelmäßiges Schneiden fördert dichten, kompakten Wuchs, verhindert Lichtmangel für die unteren Blätter und gibt dir gleichzeitig kostenlosen Nachwuchs durch Stecklinge.
Dieser Ratgeber zeigt dir, wann und wie du welche Pflanzenart schneidest, wie du aus Abschnitten neue Pflanzen ziehst und welche Werkzeuge du wirklich brauchst – damit dein Aquarium dauerhaft so aussieht, wie du es dir vorstellst.
Inhaltsverzeichnis
1Werkzeuge für den Pflanzenschnitt
Das Wichtigste auf einen Blick
Lange Aquarienschere + lange Pinzette – das sind die zwei unverzichtbaren Werkzeuge. Die Schere muss scharf sein: Stumpfe Klingen quetschen und fördern Fäulnis.
Gerade Aquarienschere
UnverzichtbarFür Stängelpflanzen und allgemeinen Rückschnitt. Mindestlänge 25 cm für tiefe Becken.
Wellenschere
EmpfohlenFür gleichmäßigen Schnitt bei Bodendeckern (HC Cuba, Glossostigma). Erzeugt einen natürlichen Rand.
Lange Pinzette
UnverzichtbarZum präzisen Einsetzen und Entfernen einzelner Pflanzen. Mindestlänge 25 cm.
2Stängelpflanzen schneiden und vermehren
Das Wichtigste auf einen Blick
Immer oberhalb eines Blattknotens schneiden. Den abgeschnittenen Trieb (mind. 10 cm, 2–3 Blattknoten) als Steckling direkt wieder einpflanzen – kostenlose Vermehrung.
Schritt-für-Schritt: Stängelpflanzen schneiden
Pflanze auf gewünschte Höhe kürzen – immer direkt oberhalb eines Blattknotens schneiden
Den abgeschnittenen Trieb nicht wegwerfen: untere Blätter (2–3 cm) entfernen
Steckling mit Pinzette tief in den Bodengrund stecken (3–4 cm)
Nach 2–3 Wochen hat der Steckling neue Wurzeln gebildet
Den alten Stumpf im Bodengrund lassen – er treibt neu aus und wird buschiger
Tipp: Buschigen Wuchs fördern
Wenn du den Haupttrieb einer Stängelpflanze kappst, treibt sie aus den seitlichen Blattknoten neu aus – das macht sie buschiger und dichter. Je öfter du schneidest, desto voller wird die Pflanze. Besonders gut funktioniert das bei Hygrophila, Ludwigia und Rotala.
3Aufsitzerpflanzen: Javafarn, Anubias, Bucephalandra
Das Wichtigste auf einen Blick
Das Rhizom (der dicke, horizontale Stamm) darf niemals in den Bodengrund – es fault. Alte Blätter direkt am Rhizom abschneiden. Das Rhizom kann zur Vermehrung geteilt werden.
Aufsitzerpflanzen wie Javafarn (Microsorum pteropus), Anubias (Anubias barteri) und Bucephalandra haften sich an Wurzeln, Steine oder andere Oberflächen an. Ihr Rhizom – der dicke, horizontale Stamm – muss immer frei liegen. Wird er im Bodengrund vergraben, kann es geschwächt werden.
Pflege: Alte, braune oder algenbedeckte Blätter direkt am Rhizom abschneiden. Neue Blätter wachsen kontinuierlich nach. Das Rhizom selbst wächst langsam und kann nach einigen Jahren sehr lang werden – dann einfach mit einer scharfen Schere teilen, sodass jedes Stück mindestens 3–4 Blätter hat.
Häufiger Anfängerfehler: Javafarn oder Anubias werden mit dem Rhizom in den Bodengrund gesteckt. Das Rhizom fault dann innerhalb von 2–4 Wochen ab. Immer nur die Wurzeln (die dünnen Fäden unter dem Rhizom) in den Bodengrund oder auf einer Oberfläche befestigen.
4Bodendecker trimmen
Das Wichtigste auf einen Blick
Bodendecker (HC Cuba, Glossostigma, Hemianthus) mit einer Wellenschere auf 1–2 cm Höhe trimmen. Regelmäßiges Trimmen fördert dichten, teppichartigen Wuchs. Abgeschnittenes Material vollständig entfernen – es fault sonst im Teppich.
Bodendecker brauchen viel Licht und CO₂ – ohne beides wachsen sie nicht flach, sondern strecken sich nach oben (Etiolierung). Beim Trimmen immer horizontal schneiden, damit ein gleichmäßiger Teppich entsteht. Nach dem Schnitt das abgeschnittene Material mit einem feinen Kescher oder einer Pinzette vollständig entfernen – es verrottet sonst unter dem Teppich und fördert Fäulnis.
Wenn der Teppich zu dick wird (über 3–4 cm), können untere Schichten absterben und sich ablösen. Dann den gesamten Teppich herausnehmen, den Bodengrund reinigen und neu bepflanzen.
5Düngung: wann und wie viel
Das Wichtigste auf einen Blick
Flüssigdünger wöchentlich nach dem Wasserwechsel zugeben. Bodendünger-Tabs alle 3–6 Monate unter die Wurzeln drücken. Nicht überdüngen – zu viele Nährstoffe fördern Algen.
| Düngertyp | Anwendung | Häufigkeit | Geeignet für |
|---|---|---|---|
| Flüssigdünger (Volldünger) | Ins Wasser geben | Wöchentlich | Alle Pflanzen |
| Eisendünger | Ins Wasser geben | Wöchentlich | Rote Pflanzen, bei Eisenmangel |
| Bodendünger-Tabs | Unter Wurzeln drücken | Alle 3–6 Monate | Wurzeldünger (Echinodorus, Cryptocoryne) |
| CO₂-Düngung | CO₂-Anlage oder Tabletten | Täglich (Anlage) | Anspruchsvolle Pflanzen, Bodendecker |
6Algen auf Pflanzenblättern behandeln
Das Wichtigste auf einen Blick
Stark befallene Blätter abschneiden und entfernen. Leichten Belag abwischen. Dann die Ursache angehen: zu viel Licht, Nährstoffungleichgewicht oder zu wenig Pflanzenwachstum.
Manuelle Entfernung
Algenbeläge vorsichtig von den Blättern abwischen oder abbürsten. Stark befallene Blätter direkt abschneiden – sie erholen sich selten.
Schnellwachsende Pflanzen einsetzen
Wasserpest, Hornkraut oder Hygrophila wachsen schnell und nehmen Algen die Nährstoffe weg. Temporär einsetzen, bis das Gleichgewicht stimmt.
Algenfresser einsetzen
Otocinclus-Welse fressen Grünalgen von Blättern ab. Amano-Garnelen helfen bei Fadenalgen. Beide sind schonend für Pflanzen.
Beleuchtungsdauer anpassen
Mehr als 10 Stunden Licht täglich fördert Algen. Auf 8–9 Stunden reduzieren und eine Mittagspause einbauen (2 Stunden Pause in der Mitte).
7Häufige Fehler bei der Pflanzenpflege
Aufsitzerpflanzen in den Bodengrund setzen
Das Rhizom von Javafarn und Anubias fault im Bodengrund ab. Immer nur auf Oberflächen befestigen.
Zu seltener Rückschnitt
Führt zu Überwucherung und Lichtmangel für untere Blätter. Schnellwachsende Arten mindestens alle 2 Wochen trimmen.
Stumpfe Schnittwerkzeuge
Stumpfe Scheren quetschen die Pflanzen und fördern Fäulnis an den Schnittstellen. Scheren regelmäßig schärfen oder ersetzen.
Kein Dünger
Pflanzen verhungern ohne Nährstoffe und werden von Algen überwuchert. Wöchentlich Flüssigdünger zugeben.
Abgestorbene Blätter liegenlassen
Verrottendes Pflanzenmaterial belastet das Wasser und fördert Algen. Regelmäßig entfernen.
Zusammenfassung: Pflanzenpflege im Aquarium
Schnitt
- Stängelpflanzen: alle 1–2 Wochen
- Aufsitzer: bei Bedarf
- Bodendecker: alle 2–4 Wochen
- Immer über Blattknoten schneiden
Düngung
- Flüssigdünger: wöchentlich
- Bodentabs: alle 3–6 Monate
- Nach Wasserwechsel zugeben
- Nicht überdüngen
Vermeidbare Fehler
- Rhizom nie eingraben
- Stumpfe Scheren vermeiden
- Abgestorbenes entfernen
- Regelmäßig pflegen
?Häufige Fragen zur Pflanzenpflege
Weiterführende Ratgeber

Inhaber mehrerer Aquaristikfirmen, Gründer von Deutschlands größtem Aquaristikforum (35.000+ Nutzer) und Entwickler von Pflegeprodukten in über 23 Ländern – seit über 30 Jahren im direkten Austausch mit Aquarianern.