Außenfilter mit transparenten Schläuchen an einem bepflanzten Aquarium mit Neon-Salmlern

Filter & Strömung im Aquarium

Filtertypen im Vergleich, richtige Dimensionierung und Wartung

Das Wichtigste auf einen Blick

Der Filter ist das Herzstück jedes Aquariums. Die Pumpenleistung sollte das Beckenvolumen 2–4-mal pro Stunde umwälzen – bei starkem Besatz 4–6-fach. Bis 80 Liter genügt ein Innenfilter, ab 100 Litern empfiehlt sich ein Außenfilter. Garnelenbecken benötigen einen Schwammfilter oder Hamburger Mattenfilter. Filtermaterial niemals unter Leitungswasser spülen und den Filter nie nachts ausschalten – die Bakterien sterben sonst innerhalb weniger Stunden ab.

Der Filter ist das Herzstück jedes Aquariums – und gleichzeitig die häufigste Fehlerquelle. Zu schwach dimensioniert trübt das Wasser, zu stark dimensioniert stresst empfindliche Fische. Dieser Ratgeber erklärt, welcher Filtertyp für dein Becken passt, wie du die Leistung berechnest und wie du den Filter richtig wartest.

Kurzantwort: Welcher Filter für welches Becken?

Bis 80 Liter: Innenfilter mit 2–4-facher Umwälzung. Ab 100 Liter: Außenfilter mit 4–6-facher Umwälzung. Garnelenbecken: Schwammfilter oder Hamburger Mattenfilter. Der Filter sollte immer 24 Stunden laufen – niemals nachts ausschalten.

1. Filtertypen im Überblick

Es gibt vier gängige Filtertypen für Süßwasseraquarien. Jeder hat seinen optimalen Einsatzbereich – die Wahl hängt von Beckengröße, Besatz und Budget ab.

FiltertypBeckengrößeVorteileNachteile
Innenfilterbis 80 lgünstig, einfachnimmt Platz ein, wenig Volumen
Außenfilterab 100 lleise, viel Filtervolumen, kein Platzverlustteurer, Schlauchpflege nötig
Hamburger Mattenfilteralle Größenwartungsarm, ideal für Garnelensichtbar im Becken, optisch unschön
OberflächenabsaugerErgänzungentfernt Kahmhaut, verbessert Gasaustauschkein vollständiges Filtersystem
Kompakter Innenfilter mit Schwamm an der Aquarienscheibe befestigt, Luftblasen steigen auf
Innenfilter mit Schwammmedium – ideal für Becken bis 80 Liter und Garnelenbecken

Innenfilter

Innenfilter werden direkt im Becken mit Saugnäpfen befestigt. Sie sind die günstigste Option und für Einsteiger sowie kleine Becken bis 80 Liter gut geeignet. Ihr Filtervolumen ist begrenzt, weshalb die biologische Filterleistung bei stark besetzten Becken schnell an ihre Grenzen stößt. Für Garnelenbecken eignen sich Innenfilter mit feinem Schwamm besonders gut, da keine Tiere eingesaugt werden.

Außenfilter (Topffilter)

Außenfilter stehen außerhalb des Beckens und sind über Zu- und Ablaufschläuche verbunden. Sie bieten deutlich mehr Filtervolumen für biologische Medien (Filterbälle, Keramikringe, Aktivkohle) und sind deutlich leiser als Innenfilter. Ab 100 Litern sind sie die erste Wahl. Wichtig: Schläuche und Dichtungen regelmäßig auf Dichtheit prüfen.

Hamburger Mattenfilter (HMF)

Der HMF besteht aus einer großen Schaumstoffmatte, die einen Teil des Beckens abtrennt. Hinter der Matte sitzt eine kleine Pumpe. Die riesige Oberfläche der Matte bietet optimale Bedingungen für nitrifizierende Bakterien (Nitrosomonas, Nitrobacter). Er ist wartungsarm, langlebig und besonders für Garnelenbecken und Zuchtbecken geeignet.

2. Filter richtig dimensionieren

Die Filterleistung wird in Litern pro Stunde (l/h) angegeben und beschreibt, wie viel Wasser die Pumpe pro Stunde umwälzt. Als Faustregel gilt das 2–4-fache des Beckenvolumens – bei stark besetzten Becken das 4–6-fache.

BeckenvolumenMindestleistungEmpfohlen (normal)Stark besetzt
54 Liter108 l/h160–220 l/h270–320 l/h
80 Liter160 l/h240–320 l/h400–480 l/h
112 Liter224 l/h340–450 l/h560–670 l/h
180 Liter360 l/h540–720 l/h900–1.080 l/h
240 Liter480 l/h720–960 l/h1.200–1.440 l/h
350 Liter700 l/h1.050–1.400 l/h1.750–2.100 l/h

Hinweis zur Herstellerangabe

Hersteller geben die Pumpenleistung ohne Filterwiderstand an. Im eingebauten Zustand mit Filtermaterial reduziert sich die tatsächliche Durchflussrate um 20–40 %. Plane daher immer etwas Puffer ein.

3. Strömung und Wasserbewegung

Strömung ist nicht nur ein Nebeneffekt des Filters – sie ist ein eigenständiger Umweltfaktor. Strömung verteilt Sauerstoff, Nährstoffe und Wärme gleichmäßig im Becken und verhindert tote Zonen, in denen sich Faulgas bilden kann.

Fischart / TiergruppeStrömungspräferenzEmpfohlene Umwälzung
Kampffisch (Betta splendens)sehr schwach1–2-fach
Garnelen (Neocaridina, Caridina)schwach2–3-fach
Guppys, Platys, Mollysmittel3–4-fach
Neon-Salmler, Kardinalfischemittel3–4-fach
Diskus (Symphysodon)mittel–stark4–5-fach
Bärblinge, Daniosstark4–6-fach
Goldfish, Koi (Teich)stark5–8-fach

Bei gemischten Becken richtest du die Strömung nach den empfindlichsten Bewohnern. Strömungspumpen (Powerheads) können ergänzend eingesetzt werden, um bestimmte Bereiche stärker zu durchströmen, ohne die Gesamtfilterleistung zu erhöhen.

4. Filter reinigen und warten

Hände reinigen Außenfilter-Einsätze mit Filterbällen und Schwamm über einer Schüssel mit Aquariumwasser
Filterwartung: Biologische Medien nur mit Aquariumwasser spülen – niemals unter Leitungswasser

Die Filterwartung ist eine der wichtigsten Routineaufgaben im Aquarium. Dabei gilt eine eiserne Regel: Filtermaterial niemals unter Leitungswasser auswaschen. Das Chlor im Leitungswasser tötet die nützlichen Bakterien ab, die für die biologische Filterung verantwortlich sind. Spüle das Material immer nur in einem Eimer mit abgestandenem Aquariumwasser.

Innenfilter

Intervall: Alle 2–4 Wochen

  • ✓Schwamm in Aquariumwasser ausdrücken
  • ✓Pumpengehäuse mit Bürste reinigen
  • ✓Auf Saugnapf-Sitz prüfen

Außenfilter

Intervall: Alle 2–3 Monate

  • ✓Schläuche auf Algenbelag prüfen
  • ✓Filterkörbe in Aquariumwasser spülen
  • ✓Dichtungen auf Risse kontrollieren
  • ✓Pumpenrad reinigen

5. Häufige Fehler bei Filter & Strömung

✗ Filter nachts ausschalten

Bakterien sterben ab, Faulgas beim Einschalten

✗ Filtermaterial unter Leitungswasser spülen

Chlor tötet nützliche Bakterien

✗ Filter zu schwach dimensioniert

Trübes Wasser, erhöhte Ammoniakwerte

✗ Zu selten reinigen

Durchfluss sinkt, biologische Leistung bricht ein

✗ Alle Filtermedien gleichzeitig ersetzen

Kompletter Verlust der Bakterienkultur

✗ Strömung zu stark für Fischart

Stress, Flossenprobleme, Fische verstecken sich

Rainer Stolte – Aquaristik-Experte
Rainer Stolte

Aquaristik-Experte · aquarium-wissen.de

Rainer betreibt seit über 20 Jahren Süßwasseraquarien und hat sich auf Biotop-Aquaristik und Wasserchemie spezialisiert. Auf aquarium-wissen.de teilt er praxiserprobtes Wissen für Einsteiger und Fortgeschrittene.

Häufige Fragen zu Filter & Strömung

Als Faustregel gilt: Die Pumpenleistung sollte das Beckenvolumen 2–4 Mal pro Stunde umwälzen. Bei einem 100-Liter-Becken also 200–400 l/h. Bei starkem Fischbesatz oder Fischen mit hohem Stoffwechsel (z.B. Diskus) eher das 4–6-fache.

Einen Innenfilter reinigst du alle 2–4 Wochen, einen Außenfilter alle 2–3 Monate. Wichtig: Filtermaterial nie unter Leitungswasser auswaschen – nur mit Aquariumwasser, damit die nützlichen Bakterien erhalten bleiben.

Für Becken bis 80 Liter ist ein Innenfilter ausreichend und günstiger. Ab 100 Litern empfiehlt sich ein Außenfilter wegen des größeren Filtervolumens und der besseren biologischen Leistung. Außenfilter sind leiser und nehmen keinen Platz im Becken ein.

Das hängt stark von der Fischart ab. Strömungsliebende Arten wie Danios oder Bärblinge mögen 4–6-fache Umwälzung. Ruhigwasser-Arten wie Kampffische oder Betta brauchen schwache Strömung (1–2-fach). Garnelen bevorzugen ebenfalls sanfte Strömung.

Mechanische Filterung entfernt Schwebepartikel und Schmutz durch physikalisches Zurückhalten. Biologische Filterung nutzt Bakterien (Nitrosomonas, Nitrobacter), die giftiges Ammoniak über Nitrit in harmloses Nitrat umwandeln. Beide Stufen sind für ein gesundes Aquarium unverzichtbar.

Wenn du das Filtermaterial zu gründlich gereinigt oder mit Leitungswasser gespült hast, wurden die nützlichen Bakterien abgetötet. Die biologische Filterung muss sich dann neu aufbauen (2–4 Wochen). Spüle Filtermaterial immer nur in abgestandenem Aquariumwasser.

Nein – das ist ein häufiger Fehler. Der Filter sollte 24 Stunden laufen. Wird er abgeschaltet, sterben die aeroben Filterbakterien innerhalb weniger Stunden ab, da ihnen der Sauerstoff fehlt. Beim Wiedereinschalten können abgestorbene Bakterien und Faulgas das Wasser vergiften.

Der HMF ist ein einfaches, selbst baubares Filtersystem aus einer großen Schaumstoffmatte, die einen Teil des Beckens abtrennt. Er bietet eine hervorragende biologische Filterleistung, ist wartungsarm und besonders für Garnelenbecken geeignet, da keine Tiere eingesaugt werden können.

Anzeichen für unzureichende Filterung: trübes Wasser, erhöhte Ammoniak- oder Nitritmesswerte, Algenblüten, Fische die an der Oberfläche schnappen oder träge wirken. Messe regelmäßig die Wasserwerte – Ammoniak und Nitrit sollten immer bei 0 mg/l liegen.

Für Garnelenbecken eignen sich Schwammfilter (Innenfilter mit feinem Schwamm), Hamburger Mattenfilter oder Außenfilter mit einem feinen Vorfilter-Schwamm am Ansaugkorb. Normale Innenfilter ohne Schutz saugen Junggarnelen an und töten sie.

Zusammenfassung

  • ✓ Filterleistung = 2–4-faches Beckenvolumen pro Stunde (stark besetzt: 4–6-fach)
  • ✓ Bis 80 l: Innenfilter. Ab 100 l: Außenfilter. Garnelen: Schwammfilter oder HMF
  • ✓ Filter niemals nachts ausschalten – Bakterien brauchen ständig Sauerstoff
  • ✓ Filtermaterial nur in Aquariumwasser spülen, nie unter Leitungswasser
  • ✓ Strömung nach der empfindlichsten Fischart im Becken ausrichten

Weiterführende Ratgeber