Der erste Besatz: Welche Fische für Anfänger, wie viele Fische

Erfolgreich starten: Die richtige Auswahl und Anzahl für Ihr erstes Aquarium

Der erste Besatz eines Aquariums ist ein entscheidender Schritt, der das zukünftige Ökosystem maßgeblich beeinflusst. Viele Anfänger unterschätzen die Komplexität dieses Prozesses und begehen Fehler, die sich später als problematisch erweisen können. Ein zu schneller oder zu dichter Besatz, sowie die Wahl unpassender Fischarten, kann das biologische Gleichgewicht stören und zu Stress, Krankheiten oder sogar dem Verlust der Tiere führen. Es ist keine Raketenwissenschaft, aber es erfordert Geduld und ein grundlegendes Verständnis der biologischen Zusammenhänge, um ein stabiles und gesundes Umfeld für die Aquarienbewohner zu schaffen.

Dieser Leitfaden soll Ihnen helfen, die richtigen Entscheidungen für Ihren ersten Fischbesatz zu treffen. Wir beleuchten die biologischen Grundlagen, stellen geeignete Fischarten vor und geben praxisorientierte Anleitungen, damit Ihr Start in die Aquaristik erfolgreich wird. Denken Sie daran: Geduld ist hier der Schlüssel zum Erfolg, denn ein stabiles Ökosystem entwickelt sich nicht über Nacht.

Wichtige Punkte für den ersten Besatz

Biologische Grundlagen verstehen
Der Stickstoffkreislauf und die Einlaufphase sind entscheidend.

Bevor die ersten Fische einziehen können, ist es unerlässlich, die biologischen Grundlagen eines Aquariums zu verstehen. Das Herzstück eines jeden Aquariums ist der Stickstoffkreislauf, auch bekannt als Nitrifikation. Dieser natürliche Prozess wandelt schädliche Stoffwechselprodukte der Fische (Ammoniak/Ammonium) über Nitrit in das weniger schädliche Nitrat um. Verantwortlich dafür sind spezielle Bakterienkulturen, die sich im Filter und Bodengrund ansiedeln. Während der Einlaufphase des Aquariums, die in der Regel mehrere Wochen dauert, entwickeln sich diese Bakterienkulturen. Erst wenn der Stickstoffkreislauf stabil ist und kein Nitrit mehr nachweisbar ist, ist das Aquarium bereit für den Fischbesatz.

Fischarten für Anfänger
Robuste und anpassungsfähige Fische für den Start.

Die Auswahl der richtigen Fischarten ist entscheidend für den Erfolg. Anfänger sollten sich auf robuste und anpassungsfähige Fische konzentrieren, die auch kleinere Schwankungen der Wasserwerte verzeihen. Wichtige Kriterien sind zudem das Sozialverhalten (friedlich, schwarmbildend), die Endgröße der Tiere und ihre Ansprüche an die Wasserwerte. Beispiele sind Guppy, Platy, Molly, Neonsalmler, Panzerwelse und Zwergbärblinge.

Wie viele Fische sind genug?
Faustregeln und die Bedeutung der Beckengröße.

Die Frage nach der richtigen Anzahl an Fischen ist komplex und kann nicht pauschal beantwortet werden. Die oft zitierte Faustregel von 1 cm Fisch pro Liter Wasser ist lediglich eine grobe Orientierung und sollte mit Vorsicht genossen werden. Sie berücksichtigt weder die Endgröße der Fische, noch ihr Sozialverhalten oder die Oberflächengröße des Aquariums, die für den Gasaustausch wichtig ist. Ein 10 cm langer Fisch produziert deutlich mehr Abfallstoffe als zehn 1 cm lange Fische. Viel wichtiger ist es, den Überbesatz zu vermeiden.

Die richtige Reihenfolge des Besatzes
Langsames Vorgehen für ein stabiles Ökosystem.

Ein häufiger Fehler ist es, das Aquarium zu schnell und zu dicht zu besetzen. Die richtige Reihenfolge des Besatzes ist entscheidend für ein stabiles Ökosystem. Es wird empfohlen, den Besatz über mehrere Wochen oder sogar Monate zu strecken. Beginnen Sie mit einer kleinen Gruppe von robusten Pionierfischen, die die Einlaufphase des Aquariums gut überstehen. Beobachten Sie die Wasserwerte und das Verhalten der Fische genau. Erst wenn alles stabil ist, können Sie schrittweise weitere Fische hinzufügen. Dies gibt den Bakterienkulturen im Filter ausreichend Zeit, sich an die steigende Belastung anzupassen.

Praktische Anleitungen

1. Vorbereitung des Aquariums
  1. Einrichten: Wählen Sie einen geeigneten Standort für Ihr Aquarium. Reinigen Sie das Becken gründlich (ohne Reinigungsmittel!). Bringen Sie den Bodengrund ein, platzieren Sie Pflanzen und Dekorationsgegenstände. Achten Sie darauf, dass alle Materialien aquarientauglich sind.
  2. Wasser aufbereiten: Füllen Sie das Aquarium mit Wasser. Verwenden Sie einen Wasseraufbereiter, um Chlor und Schwermetalle zu neutralisieren. Prüfen Sie die Wasserwerte (pH, GH, KH) und passen Sie diese gegebenenfalls an die Bedürfnisse Ihrer zukünftigen Fische an. Fügen Sie Starterbakterien hinzu, um den Aufbau des Stickstoffkreislaufs zu beschleunigen.
  3. Einlaufphase: Lassen Sie das Aquarium für mindestens 2-4 Wochen ohne Fische laufen. Messen Sie regelmäßig die Wasserwerte, insbesondere Nitrit (NO2). Ein Anstieg und anschließender Abfall des Nitritwerts zeigt an, dass der Stickstoffkreislauf in Gang gekommen ist. Erst wenn der Nitritwert dauerhaft bei Null liegt, ist das Aquarium bereit für den ersten Besatz.
2. Fische auswählen und kaufen
  1. Recherche: Informieren Sie sich gründlich über die Fischarten, die Sie gerne halten möchten. Achten Sie auf deren Endgröße, Sozialverhalten, Wasserwerte und Futteransprüche. Stellen Sie sicher, dass die Arten miteinander kompatibel sind und zu Ihrer Aquariengröße passen.
  2. Kauf im Fachhandel: Kaufen Sie Fische ausschließlich in einem seriösen Fachgeschäft. Achten Sie auf gesunde, agile Tiere ohne sichtbare Krankheitsanzeichen (z.B. Flossenfäule, Pünktchen). Lassen Sie sich beraten und fragen Sie nach der Herkunft der Tiere.
  3. Transport und Eingewöhnung: Transportieren Sie die Fische in einer gut isolierten Styroporbox, um Temperaturschwankungen zu vermeiden. Zuhause angekommen, lassen Sie den Transportbeutel zunächst für etwa 15-30 Minuten geschlossen im Aquarium schwimmen, um die Temperaturen anzugleichen. Anschließend öffnen Sie den Beutel und geben über einen Zeitraum von 30-60 Minuten tröpfchenweise Aquarienwasser hinzu (Tröpfchenmethode), um die Fische langsam an die neuen Wasserwerte zu gewöhnen. Fangen Sie die Fische vorsichtig mit einem Kescher aus dem Beutel und setzen Sie sie ins Aquarium. Das Transportwasser sollte nicht ins Aquarium gelangen.
3. Besatzplan erstellen

Erstellen Sie einen detaillierten Besatzplan, der die gewünschten Arten, deren Anzahl und den zeitlichen Ablauf des Besatzes berücksichtigt. Planen Sie ausreichend Pausen zwischen den einzelnen Besatzschritten ein, um dem Ökosystem Zeit zur Anpassung zu geben. Beginnen Sie mit den robustesten Arten und fügen Sie empfindlichere Fische erst später hinzu.

Häufige Fehler

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Wie lange dauert die Einlaufphase?

Die Einlaufphase dauert in der Regel 2 bis 4 Wochen, kann aber je nach Beckengröße, Filterung und Zugabe von Starterbakterien variieren. Wichtig ist, dass der Nitritwert (NO2) dauerhaft bei Null liegt, bevor Fische eingesetzt werden.

Kann ich Fische sofort einsetzen?

Nein, das sollten Sie auf keinen Fall tun. Das Aquarium muss erst eine biologische Stabilität entwickeln, damit die schädlichen Stoffwechselprodukte der Fische abgebaut werden können. Ein sofortiger Besatz führt fast immer zu einem Nitrit-Peak und dem Tod der Fische.

Welche Wasserwerte sind wichtig?

Die wichtigsten Wasserwerte sind pH-Wert (Säuregrad), Gesamthärte (GH), Karbonathärte (KH), Nitrit (NO2) und Nitrat (NO3). Nitrit sollte immer bei Null liegen. Die anderen Werte sollten den Bedürfnissen Ihrer Fischarten entsprechen.

Was tun bei Krankheiten?

Zunächst sollten Sie die Ursache analysieren und abstellen. Prüfen Sie die Wasserwerte, die Fütterung und das Verhalten der Fische. Oft sind schlechte Wasserqualität oder Stress die Auslöser. Erst wenn die Ursache behoben ist, sollten Sie über den Einsatz von Medikamenten nachdenken, die immer die letzte Option sein sollten.

Wie oft Wasserwechsel?

Ein regelmäßiger Wasserwechsel von 20-30% des Wasservolumens pro Woche ist essenziell für die Aufrechterhaltung einer guten Wasserqualität und die Gesundheit Ihrer Fische. Bei starkem Besatz oder Problemen kann ein häufigerer oder größerer Wasserwechsel notwendig sein.

Zusammenfassung

Der erfolgreiche Start in die Aquaristik erfordert vor allem Geduld, gründliche Recherche und ein langsames, überlegtes Vorgehen. Ein stabiles Ökosystem im Aquarium braucht Zeit, um sich zu entwickeln. Indem Sie die biologischen Grundlagen verstehen, geeignete Fischarten auswählen und den Besatz schrittweise durchführen, legen Sie den Grundstein für ein gesundes und artenreiches Aquarium. Die Freude am Hobby wird maßgeblich von einer artgerechten Haltung und einem harmonischen Zusammenleben der Aquarienbewohner bestimmt. Vermeiden Sie die häufigsten Fehler und genießen Sie die faszinierende Unterwasserwelt, die Sie geschaffen haben.

Schnellübersicht für Anfängerfische

FischartBeckengröße (min.)SozialverhaltenWasserwerte (ca.)Besonderheiten
Guppy60 LiterSchwarmfischpH 7-8, GH 10-20Lebendgebärend, robust, vermehrungsfreudig
Platy60 LiterSchwarmfischpH 7-8, GH 10-20Lebendgebärend, robust, viele Farbvarianten
Molly80-100 LiterSchwarmfischpH 7.5-8.5, GH 15-30Robuster Lebendgebärender, bevorzugt leicht salziges Wasser
Neonsalmler60 LiterSchwarmfischpH 5.5-7, GH 5-15Friedlich, leuchtende Farben, benötigt große Gruppe
Panzerwels60 LiterSchwarmfisch (Boden)pH 6-7.5, GH 5-15Friedlicher Bodenbewohner, benötigt Sandbodengrund
Zwergbärbling30 LiterSchwarmfischpH 6-7.5, GH 5-15Sehr klein, friedlich, ideal für Nano-Aquarien

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