Frisch eingerichtetes Aquarium in der Einlaufphase mit Wassertestkit

Die Einlaufphase im Aquarium

Warum Geduld jetzt die wichtigste Eigenschaft ist – und wie du den Nitritpeak sicher überbrückst

Das Wichtigste auf einen Blick

Die Einlaufphase dauert 3 bis 6 Wochen und ist die Zeit, in der sich lebenswichtige Bakterien im Aquarium ansiedeln. Diese Bakterien bauen giftiges Ammonium und Nitrit in harmloses Nitrat um. Ohne sie würden Fische in ihrem eigenen Abfall vergiften. Der kritische Moment ist der sogenannte Nitritpeak in Woche 2 bis 3 – während dieser Zeit dürfen auf keinen Fall Fische im Becken sein. Erst wenn der Nitritwert dauerhaft bei 0 mg/l liegt, ist das Becken bereit für den ersten Besatz.

1.Was passiert während der Einlaufphase?

Wenn du ein neues Aquarium mit Wasser füllst, ist es biologisch gesehen eine leere Hülle. Es fehlen die Mikroorganismen, die später für ein stabiles Gleichgewicht sorgen. In einem bewohnten Aquarium entsteht durch Fischkot, Futterreste und abgestorbene Pflanzenteile ständig Ammonium (NH₄⁺) – ein Stoffwechselprodukt, das in höheren Konzentrationen für Fische tödlich ist.

Die Natur hat dafür eine elegante Lösung: den sogenannten Stickstoffkreislauf. Nitrosomonas-Bakterien wandeln Ammonium in Nitrit (NO₂⁻) um, und Nitrobacter-Bakterien bauen dieses Nitrit weiter zu Nitrat (NO₃⁻) ab. Nitrat ist in moderaten Mengen für Fische unbedenklich und wird durch regelmäßige Wasserwechsel aus dem Becken entfernt. Das Problem: Diese Bakterien müssen sich erst ansiedeln – und das braucht Zeit.

Woche 1

Das Wasser wirkt klar und sauber. Ammonium steigt langsam an. Nitrosomonas-Bakterien beginnen sich anzusiedeln.

Woche 2–3

Der Nitritwert steigt stark an (Nitritpeak). Hochgiftig für Fische! Nitrobacter-Bakterien siedeln sich erst jetzt an.

Woche 4+

Nitrit fällt auf 0 mg/l. Das biologische System ist stabil. Jetzt können die ersten Fische eingesetzt werden.

Filtermedien mit Keramikringen und Biobällen für die Bakterienansiedlung

Filtermedien wie Keramikringe und Biobälle bieten den Bakterien ideale Siedlungsflächen

2.Der Nitritpeak – der kritischste Moment

Der Nitritpeak ist der gefährlichste Moment in der Einlaufphase. Nitrit (NO₂⁻) blockiert den Sauerstofftransport im Blut der Fische – ähnlich wie Kohlenmonoxid beim Menschen. Schon geringe Mengen von 0,1 mg/l können empfindliche Fischarten stressen, ab 0,5 mg/l wird es für die meisten Arten kritisch, und Werte über 1 mg/l sind für viele Fische tödlich.

Wichtiger Hinweis

Während des Nitritpeaks dürfen unter keinen Umständen Fische im Becken sein. Auch wenn das Wasser klar aussieht, kann der Nitritwert tödlich hoch sein. Nur ein zuverlässiger Nitrit-Tropfentest (kein Schnelltest-Streifen!) gibt dir Sicherheit.

Wassertestkit mit Reagenzgläsern und Farbkarte für Nitrit-Messung

Regelmäßige Nitrit-Messungen mit einem Tropfentest sind während der Einlaufphase unverzichtbar

3.Schritt-für-Schritt-Anleitung

Aus unzähligen eingefahrenen Aquarien habe ich folgende bewährte Vorgehensweise entwickelt, die zuverlässig zum Erfolg führt:

1

Aquarium vollständig einrichten

Filter, Heizung, Beleuchtung, Bodengrund und Pflanzen kommen rein – nur die Fische bleiben draußen. Pflanzen helfen übrigens, Ammonium zu verwerten und beschleunigen die Einlaufphase leicht.

2

Technik dauerhaft laufen lassen

Der Filter läuft 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche. Die Bakterien im Filtermedium brauchen ständig Sauerstoff und Wasser. Schaltest du den Filter auch nur für wenige Stunden aus, sterben sie ab. Die Beleuchtung läuft 8 bis 10 Stunden täglich, die Heizung hält die Temperatur bei 24 bis 26 °C.

3

Ammoniumquelle schaffen

Ohne Ammonium können sich die Bakterien nicht vermehren. Gib täglich eine kleine Prise Fischfutter ins Becken, das beim Zersetzen Ammonium freisetzt. Alternativ gibt es spezielle Ammoniumlösungen aus dem Fachhandel.

4

Regelmäßig messen

Alle 2 bis 3 Tage den Nitritwert messen. Wenn der Wert ansteigt, ist der Nitritpeak im Gange. Wenn er wieder dauerhaft auf 0 mg/l fällt, ist die Einlaufphase abgeschlossen. Zusätzlich empfiehlt sich die Messung von Ammonium und pH-Wert.

5

Geduldig abwarten

Die Biologie lässt sich nicht beschleunigen erzwingen. Auch wenn es schwerfällt: Warte, bis der Nitritwert wirklich dauerhaft bei 0 liegt. Diese Geduld zahlt sich aus – ein stabil eingefahrenes Becken ist deutlich pflegeleichter als eines, das zu früh besetzt wurde.

4.Einlaufphase beschleunigen – was wirklich hilft

Es gibt einige bewährte Methoden, die die Einlaufphase auf 2 bis 3 Wochen verkürzen können. Wichtig: Verkürzen ja, überspringen nein. Die Biologie braucht ihre Zeit.

Starterbakterien aus dem Fachhandel

Hochwertige Produkte wie Dennerle Bacto Elixier, JBL Denitrol oder Seachem Stability enthalten lebende Bakterienkulturen. Sie können die Phase deutlich verkürzen – aber nur, wenn sie frisch und korrekt gelagert sind.

Filtermedien aus einem eingefahrenen Becken

Ein Schwamm oder Keramikringe aus einem bereits laufenden, gesunden Aquarium bringen Millionen von Bakterien mit. Das ist die effektivste und günstigste Methode überhaupt.

Höhere Temperatur

Bakterien vermehren sich bei 26 bis 28 °C schneller als bei 20 °C. Eine leicht erhöhte Temperatur während der Einlaufphase kann die Ansiedlung beschleunigen.

Viele Pflanzen von Anfang an

Schnellwachsende Pflanzen wie Hornkraut (Ceratophyllum demersum) oder Wasserfreund (Hygrophila) verwerten Ammonium direkt und entlasten das biologische System.

5.Typische Fehler – und wie du sie vermeidest

Fehler: Zu früh Fische einsetzen

"Nach einer Woche sieht das Wasser doch gut aus!" – Ja, aber die Bakterien sind noch nicht da. Warte die vollen 3 bis 4 Wochen ab, auch wenn es schwerfällt. Fische, die in ein nicht eingefahrenes Becken gesetzt werden, leiden unter Nitritvergiftung und sterben oft innerhalb weniger Tage.

Fehler: Filter ausschalten oder reinigen

Bakterien im Filter brauchen ständig Sauerstoff und Wasser. Schaltest du den Filter aus oder reinigst ihn mit Leitungswasser (Chlor!), sterben die Bakterien ab und die Einlaufphase beginnt von vorn.

Fehler: Wasserwerte nicht messen

Ohne Messung weißt du nicht, wann die Einlaufphase wirklich vorbei ist. Ein guter Nitrit-Tropfentest ist kein Luxus – er ist die einzige zuverlässige Methode, um den richtigen Zeitpunkt für den ersten Besatz zu bestimmen.

Fehler: Zu viele Wasserwechsel

Manche Anfänger machen täglich große Wasserwechsel, weil das Wasser trüb wird. Das stört den Bakterienaufbau erheblich. Kleine Trübungen in den ersten Tagen sind normal und kein Grund zur Panik.

Aquarist setzt Neonsalmler vorsichtig aus einer Tüte in ein bepflanztes Aquarium ein

Erst wenn der Nitritwert dauerhaft bei 0 mg/l liegt, können die ersten Fische eingesetzt werden

6.Häufige Fragen zur Einlaufphase

In der Regel 3 bis 6 Wochen. Mit hochwertigen Starterbakterien und Filtermedien aus einem eingefahrenen Becken lässt sie sich auf 2 bis 3 Wochen verkürzen. Ohne Hilfsmittel solltest du mindestens 4 Wochen einplanen und immer auf den Nitritwert vertrauen, nicht auf den Kalender.

Der Nitritpeak ist der Anstieg des Nitritwertes in Woche 2 bis 3 der Einlaufphase. Nitrosomonas-Bakterien wandeln Ammonium in Nitrit um, aber Nitrobacter-Bakterien, die Nitrit weiter abbauen, siedeln sich erst etwas später an. In dieser Zeit kann der Nitritwert auf mehrere mg/l ansteigen – tödlich für Fische.

Ja, mit hochwertigen Starterbakterien aus dem Fachhandel, Filtermedien aus einem eingefahrenen Becken, leicht erhöhter Temperatur (26–28 °C) und vielen schnellwachsenden Pflanzen. Versprechen wie 'Fische nach 24 Stunden' sind unseriös und gefährden deine Tiere.

Eine leichte Trübung in den ersten Tagen ist völlig normal – das sind Bakterien, die sich in der Wassersäule vermehren, bevor sie sich auf dem Filtermedium ansiedeln. Das Wasser klärt sich von selbst. Bitte keine häufigen Wasserwechsel machen, das stört den Prozess.

Schnecken sind deutlich robuster als Fische und können nach 2 bis 3 Wochen ins Becken, wenn der Nitritwert unter 0,5 mg/l liegt. Garnelen sind empfindlicher – hier empfehle ich, die vollen 4 Wochen abzuwarten und erst einzusetzen, wenn der Nitritwert dauerhaft bei 0 liegt. Fische kommen immer zuletzt.

Normalerweise nicht. Nur wenn der Nitritwert extrem hoch ist (über 1 mg/l), kann ein kleiner Teilwasserwechsel von 20 bis 30 % sinnvoll sein, um die Konzentration zu senken. Grundsätzlich gilt: Lass das System in Ruhe arbeiten und messe regelmäßig.

Die Bakterien im Filtermedium brauchen ständig Sauerstoff und Wasser. Schaltest du den Filter aus, sterben sie innerhalb weniger Stunden ab. Die Einlaufphase beginnt dann von vorn. Der Filter sollte 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche laufen.

Der zuverlässigste Indikator ist ein Nitritwert von dauerhaft 0 mg/l über mehrere Messtage hinweg. Zusätzlich sollte der Ammoniumwert ebenfalls bei 0 liegen. Nur ein Tropfentest (kein Schnelltest-Streifen) gibt dir die nötige Genauigkeit.

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Weiterführende Ratgeber

Rainer Stolte – Aquaristik-Experte

Autor dieses Ratgebers

Rainer Stolte

Rainer Stolte ist leidenschaftlicher Aquarianer, Unternehmer und Autor mit über 30 Jahren Erfahrung. Die Einlaufphase ist eines der Themen, bei dem er in unzähligen Aquarien gelernt hat, wie entscheidend Geduld und das richtige Messen ist. Als Inhaber mehrerer Aquaristikunternehmen gibt er sein Wissen auf aquarium-wissen.de praxisnah weiter.