Der Filter ist das Herzstück jedes Aquariums. Er reinigt das Wasser mechanisch (Schmutzpartikel), biologisch (Bakterien bauen Schadstoffe ab) und optional chemisch (Aktivkohle, Zeolith). Ohne funktionierenden Filter reichern sich Ammoniak, Nitrit und organische Stoffe an – tödlich für Fische.
Die drei Haupttypen sind Außenfilter (leise, leistungsstark), Innenfilter (preiswert, platzsparend) und Hamburger Mattenfilter (HMF) (biologisch optimal, für Zucht). Die Wahl hängt von Aquariengröße, Besatz und Budget ab.
Filtertypen im Vergleich
Außenfilter – Der Allrounder
Funktionsweise: Wasser wird aus dem Aquarium angesaugt, durch Filtermedien gepumpt und zurückgeführt. Filter steht außerhalb (unter dem Aquarium im Schrank).
Vorteile: Großes Filtervolumen (viel Platz für Bakterien), leise, kein Platzverlust im Aquarium, leistungsstark, vielseitig bestückbar.
Nachteile: Teurer als Innenfilter (50-200€), Installationsaufwand, Leckagegefahr bei defekten Schläuchen.
Geeignet für: Aquarien ab 60 Liter, Standardwahl für die meisten Aquarien (100-500 Liter).
Innenfilter – Preiswert und einfach
Funktionsweise: Filter hängt im Aquarium, saugt Wasser an und gibt es gefiltert zurück. Meist mit Schwamm und kleiner Pumpe.
Vorteile: Preiswert (10-50€), einfache Installation, keine Leckagegefahr, gut für kleine Aquarien.
Nachteile: Kleines Filtervolumen (wenig Bakterienfläche), nimmt Platz im Aquarium weg, lauter als Außenfilter, häufigere Reinigung nötig.
Geeignet für: Kleine Aquarien (bis 60 Liter), Quarantänebecken, Aufzuchtbecken, Budget-Lösungen.
Hamburger Mattenfilter (HMF) – Biologisches Optimum
Funktionsweise: Große Schaumstoffmatte (5-10 cm dick) trennt einen Bereich des Aquariums ab. Wasser wird durch die Matte gesaugt, Bakterien siedeln sich auf riesiger Oberfläche an.
Vorteile: Beste biologische Filterung (riesige Bakterienfläche), sehr leise, extrem wartungsarm (Reinigung alle 6-12 Monate), preiswert.
Nachteile: Nimmt viel Platz im Aquarium weg (10-20% der Grundfläche), optisch auffällig, mechanische Filterung schwächer.
Geeignet für: Zuchtbecken, Garnelenbecken, große Aquarien (über 300 Liter), Aquarien mit hohem Besatz.
Rucksackfilter – Kompromiss
Funktionsweise: Filter hängt außen am Aquarium, Wasser wird über Rohr angesaugt und fließt zurück. Ähnlich wie Außenfilter, aber kleiner.
Vorteile: Kein Platzverlust im Aquarium, einfache Wartung (von außen zugänglich), mittleres Filtervolumen.
Nachteile: Lauter als Außenfilter (Wasserplätschern), kleineres Filtervolumen als Außenfilter, optisch sichtbar.
Geeignet für: Nano-Aquarien (20-60 Liter), Aquarien ohne Unterschrank (kein Platz für Außenfilter).
Die drei Filterarten
1. Mechanische Filterung
Entfernt sichtbare Schmutzpartikel aus dem Wasser: Futterreste, Kot, Pflanzenteile, Mulm. Wasser wird durch Filtermedien gepresst, Partikel bleiben hängen. Erste Stufe im Filter.
Filtermedien: Filterschwamm (grob → fein), Filtervlies, Filterwatte. Müssen regelmäßig gereinigt werden (alle 2-4 Wochen), sonst verstopfen sie und Durchfluss sinkt.
2. Biologische Filterung – Das Wichtigste
Bakterien bauen Schadstoffe ab: Nitrosomonas wandelt Ammoniak zu Nitrit, Nitrobacter wandelt Nitrit zu Nitrat. Ohne diese Bakterien sterben Fische an Ammoniak-/Nitritvergiftung.
Filtermedien: Keramikröhrchen, Sinterglas, Biobälle, Filterschwamm. Bieten große Oberfläche für Bakterienansiedlung. Niemals mit Leitungswasser reinigen (Chlor tötet Bakterien) – nur mit Aquarienwasser ausspülen.
Wichtig: Biologische Filtermedien nur bei starker Verschmutzung reinigen (alle 6-12 Monate). Zu häufige Reinigung zerstört Bakterienkolonien → Nitrit-Peak!
3. Chemische Filterung (optional)
Bindet gelöste Stoffe aus dem Wasser: Medikamentenreste, Gelbstoffe, Gerüche, Schwermetalle. Nicht dauerhaft nötig, nur bei Bedarf.
Filtermedien: Aktivkohle (bindet Medikamente, Gelbstoffe), Zeolith (bindet Ammonium), Phosphatadsorber (bindet Phosphat). Nach 4-6 Wochen austauschen (gesättigt).
Filter richtig dimensionieren
Filtervolumen: 3-5% des Aquarienvolumens
Faustregel: Filtervolumen sollte mindestens 3-5% des Aquarienvolumens betragen. Bei hohem Besatz (viele Fische): 5-10%.
| Aquariengröße | Mindest-Filtervolumen | Empfohlene Durchflussrate |
|---|---|---|
| 60 Liter | 2-3 Liter | 180-300 l/h |
| 100 Liter | 3-5 Liter | 300-500 l/h |
| 200 Liter | 6-10 Liter | 600-1000 l/h |
| 400 Liter | 12-20 Liter | 1200-2000 l/h |
Durchflussrate: 3-5x Beckenvolumen pro Stunde
Das gesamte Aquarienwasser sollte 3-5x pro Stunde durch den Filter gepumpt werden. Beispiel: 200-Liter-Aquarium → Filter mit 600-1000 l/h Durchfluss.
Zu schwach (unter 3x): Schadstoffe werden nicht schnell genug abgebaut, Totzonen entstehen. Zu stark (über 10x): Zu viel Strömung, Fische gestresst, CO₂ wird ausgetrieben.
Besatz berücksichtigen
Bei hohem Besatz (viele Fische, große Fische, gefräßige Arten) Filter eine Nummer größer wählen. Bei geringem Besatz (wenige Fische, viele Pflanzen, Garnelen) reicht kleinerer Filter. Pflanzen unterstützen biologische Filterung.
Filter reinigen und warten
Wann muss der Filter gereinigt werden?
Anzeichen: Durchfluss lässt nach, Wasser wird trüb, Nitrit steigt. Außenfilter: alle 3-6 Monate. Innenfilter: alle 2-4 Wochen (Schwamm ausdrücken).
Richtige Reinigung – Schritt für Schritt
1. Aquarienwasser in Eimer füllen: Niemals Leitungswasser verwenden (Chlor tötet Bakterien).
2. Filter ausschalten und öffnen: Bei Außenfilter: Absperrhähne schließen, Filter öffnen.
3. Mechanische Medien reinigen: Filterschwamm, Filtervlies im Aquarienwasser ausdrücken/ausspülen. Stark verschmutzte Medien austauschen.
4. Biologische Medien NICHT reinigen: Keramik, Sinterglas nur bei extremer Verschmutzung leicht abspülen. Bakterienkolonien schonen!
5. Filter zusammenbauen und starten: Auf Dichtigkeit prüfen, Luft entweichen lassen (Entlüftungsschraube), einschalten.
Filter niemals komplett reinigen
Niemals alle Filtermedien gleichzeitig reinigen/austauschen! Das zerstört die Bakterienkolonien → Nitrit-Peak. Immer nur mechanische Medien reinigen, biologische Medien in Ruhe lassen. Bei Medientausch: Nur die Hälfte austauschen, andere Hälfte bleibt.
Häufig gestellte Fragen zum Filter
Welcher Filter ist am besten für mein Aquarium?
Für Aquarien bis 200 Liter: Außenfilter (leise, leistungsstark). Für kleine Aquarien (unter 60 Liter): Innenfilter oder HMF. Für große Aquarien (über 400 Liter): Außenfilter mit hoher Durchflussrate oder Hamburger Mattenfilter.
Wie oft muss ich den Filter reinigen?
Außenfilter: alle 3-6 Monate. Innenfilter: alle 2-4 Wochen (Schwamm ausdrücken). Nur mechanische Filtermedien reinigen, biologische Medien (Keramik, Sinterglas) nur bei starker Verschmutzung. Immer mit Aquarienwasser ausspülen, nie mit Leitungswasser.
Wie groß sollte mein Filter sein?
Filtervolumen: mindestens 3-5% des Aquarienvolumens. Durchflussrate: 3-5x Beckenvolumen pro Stunde. Beispiel: 200-Liter-Aquarium → Filter mit 600-1000 l/h Durchfluss und 6-10 Liter Filtervolumen.