Garnelen im Aquarium
Haltung, Arten und Pflege von Süßwassergarnelen – von Caridina multidentata bis Neocaridina davidi
Süßwassergarnelen gehören zu den faszinierendsten Aquarienbewohnern überhaupt. Als Algenfresser, Resteverwerter und Zuchtprojekt sind sie bei Aquarianern aller Erfahrungsstufen beliebt. Ob die robuste Caridina multidentata (Amanogarnele), die farbenprächtige Neocaridina davidi (Red Cherry), die anspruchsvolle Caridina logemanni (Bienengarnele) oder die gestreifte Caridina mariae (Tigergarnele) – für jeden Aquarianer gibt es die passende Art.
Garnelen sind friedliche, aktive Tiere, die ein Aquarium beleben und gleichzeitig nützliche Aufgaben übernehmen. Sie durchforsten den Bodengrund nach Futterresten, grasen Algen von Pflanzen und Steinen ab und produzieren kaum Schadstoffe. Damit sind sie ideale Mitbewohner in einem gut gepflegten Pflanzenaquarium.
Garnelen benötigen sauberes, sauerstoffreiches Wasser und reagieren empfindlich auf Schadstoffe wie Kupfer, Nitrit und Ammoniak. Bei guter Pflege und stabilen Wasserwerten vermehren sich viele Arten – insbesondere Neocaridina davidi – problemlos und bilden stabile, vitale Populationen.
Beliebte Garnelenarten im Überblick
Amanogarnele – Caridina multidentata
Syn.: Caridina japonica | Englisch: Amano shrimp | Schwierigkeit: Anfänger

Größe: 5–6 cm | Herkunft: Japan, Taiwan | Temperatur: 20–26 °C
Die Caridina multidentata, besser bekannt als Amanogarnele oder Yamato-Garnele, gilt als der effektivste Algenfresser unter allen Süßwassergarnelen. Sie wurde in den 1990er-Jahren durch den japanischen Aquascaper Takashi Amano populär gemacht und ist seitdem aus keinem Pflanzenaquarium mehr wegzudenken. Caridina multidentata frisst Fadenalgen, Pinselalgen (teilweise) und Futterreste und hält das Aquarium dauerhaft sauber.
Die Amanogarnele ist ausgesprochen robust, friedlich und langlebig – bei guter Pflege erreicht sie ein Alter von 3–5 Jahren. Sie verträgt ein breites Spektrum an Wasserwerten (pH 6,5–7,5, GH 6–20 °dH) und ist damit ideal für Einsteiger.
Besonderheit: Eine Vermehrung im Süßwasseraquarium ist nicht möglich. Die Larven von Caridina multidentata benötigen Brackwasser zum Aufwachsen – im reinen Süßwasser sterben sie ab. Dadurch entsteht keine unkontrollierte Überpopulation, was die Amanogarnele besonders pflegeleicht macht.
Red Cherry Garnele – Neocaridina davidi
Syn.: Neocaridina heteropoda | Englisch: Red Cherry shrimp, Red Fire shrimp | Schwierigkeit: Anfänger

Größe: 2–3 cm | Herkunft: Taiwan | Temperatur: 18–28 °C
Neocaridina davidi – in der Aquaristik als Red Cherry, Red Fire oder Sakura-Garnele bekannt – ist die mit Abstand beliebteste Zwerggarnele für Einsteiger. Ihre leuchtend rote Färbung macht sie zum Blickfang in jedem Aquarium. Neocaridina davidi ist ausgesprochen anspruchslos, toleriert ein breites Spektrum an Wasserwerten (pH 6,5–8,0, GH 6–20 °dH) und verzeiht auch Anfängerfehler.
Die Art existiert in zahlreichen Farbzuchten: neben dem klassischen Rot (Red Cherry, Red Fire) gibt es auch Yellow Fire, Blue Velvet, Black Rose und viele weitere Varianten – alle gehören zur Spezies Neocaridina davidi.
Zucht: Weibchen tragen 20–40 Eier unter dem Schwanz (Pleopoden) und bewegen sie ständig zur Belüftung. Nach 3–5 Wochen schlüpfen fertige Minigarnelen, die sofort selbstständig fressen. Bei optimalen Bedingungen vermehrt sich Neocaridina davidi sehr schnell – eine Überpopulation ist in gut strukturierten Becken mit ausreichend Verstecken kein Problem.
Bienengarnele – Caridina logemanni
Syn.: Crystal Red Shrimp (CRS), Crystal Black Shrimp (CBS) | Englisch: Bee shrimp | Schwierigkeit: Fortgeschritten

Größe: 2–3 cm | Herkunft: China, Südostasien | Temperatur: 20–24 °C
Caridina logemanni – bekannt als Bienengarnele, Crystal Red Shrimp (CRS) oder Crystal Black Shrimp (CBS) – ist eine der begehrtesten Zuchtgarnelen in der Aquaristik. Ihre charakteristischen schwarz-weißen oder rot-weißen Streifenmuster und die Zucht nach Qualitätsstufen (S, SS, SSS, Mosura) machen sie zum Sammlerobjekt.
Caridina logemanni benötigt weiches, saures Wasser (pH 6,0–6,5, KH 0–2 °dH, GH 4–6 °dH) und reagiert empfindlich auf Schwankungen. Osmosewasser mit speziellen Aufhärtesalzen ist für eine erfolgreiche Haltung empfehlenswert.
Haltung: Soil-Bodengrund (z.B. ADA Amazonia, Akadama) ist für Caridina logemanni nahezu zwingend erforderlich, da er den pH-Wert abpuffert und die Wasserwerte stabilisiert. Keine gemeinsame Haltung mit Neocaridina davidi – Kreuzungen sind möglich und führen zu unerwünschten Nachkommen.
Tigergarnele – Caridina mariae
Syn.: Caridina cantonensis (Tiger-Form) | Englisch: Tiger shrimp | Schwierigkeit: Mittel

Größe: 2–3 cm | Herkunft: China, Hongkong | Temperatur: 20–25 °C
Caridina mariae, die Tigergarnele, zeichnet sich durch markante dunkle Querstreifen auf hellem bis transparentem Körper aus. In der Aquaristik sind zahlreiche Farbvarianten erhältlich: Orange Tiger, Blue Tiger, Black Tiger und der seltene Super Tiger. Alle Varianten gehören zur Gattung Caridina und stellen ähnliche Anforderungen an die Wasserqualität.
Die Haltung von Caridina mariae ähnelt der der Bienengarnele (Caridina logemanni), ist jedoch etwas robuster. Weiches, leicht saures Wasser (pH 6,2–7,0, GH 4–8 °dH) und ein Soil-Bodengrund sind empfehlenswert. Die Vermehrung im Süßwasser ist problemlos möglich.
Wasserwerte für Garnelen im Überblick
| Garnelenart (Lateinischer Name) | pH-Wert | GH (Gesamthärte) | KH (Karbonathärte) | Temperatur |
|---|---|---|---|---|
| Amanogarnele (Caridina multidentata) | 6,5–7,5 | 6–20 °dH | 3–15 °dH | 20–26 °C |
| Red Cherry (Neocaridina davidi) | 6,5–8,0 | 6–20 °dH | 3–15 °dH | 18–28 °C |
| Bienengarnele (Caridina logemanni) | 6,0–6,5 | 4–6 °dH | 0–2 °dH | 20–24 °C |
| Tigergarnele (Caridina mariae) | 6,2–7,0 | 4–8 °dH | 0–4 °dH | 20–25 °C |
Stabilität wichtiger als perfekte Werte
Garnelen – ob Caridina oder Neocaridina – vertragen stabile Wasserwerte deutlich besser als ständige Schwankungen. Lieber konstant bei pH 7,5 bleiben, als wöchentlich zwischen 6,5 und 7,5 zu schwanken. Wasserwechsel immer langsam durchführen (max. 20–30% pro Woche), das Nachfüllwasser temperieren und möglichst die gleiche Zusammensetzung wie das Aquarienwasser haben.
Kupfer ist für alle Garnelenarten tödlich
Kupfer ist für Caridina- und Neocaridina-Garnelen gleichermaßen hochgiftig. Schon geringe Mengen (über 0,3 mg/l) führen zu Massensterben. Kupfer kann in Medikamenten, Leitungswasser (Kupferrohre) und manchen Pflanzendüngern enthalten sein. Kupferhaltige Medikamente niemals in Garnelenaquarien verwenden. Bei Verdacht auf Kupfer im Leitungswasser: Wasseraufbereiter mit Kupferbinder verwenden oder auf Osmosewasser umsteigen.
Caridina vs. Neocaridina: Warum nicht zusammen halten?
Caridina-Arten (z.B. Caridina logemanni, Caridina mariae) und Neocaridina davidi stellen unterschiedliche Anforderungen an die Wasserwerte. Zudem sind Kreuzungen zwischen bestimmten Caridina-Arten und Neocaridina davidi möglich, was zu unerwünschten Mischlingen führt. Für eine erfolgreiche Zucht und klare Farblinien empfiehlt sich daher immer ein Artbecken.
Fütterung und Pflege
Weniger ist mehr bei der Fütterung
Garnelen – ob Caridina multidentata, Neocaridina davidi oder andere Arten – sind Resteverwerter und finden im Aquarium immer etwas zu fressen: Biofilm, Algen, Pflanzenreste und Mulm. Zusätzliches Futter nur 2–3× pro Woche in kleinen Mengen geben. Was nach 2 Stunden nicht gefressen ist, war zu viel und sollte abgesaugt werden, um die Wasserqualität nicht zu belasten.
Geeignetes Futter: Spezielles Garnelenfutter (Pellets, Sticks, Tabs), überbrühtes Gemüse (Spinat, Gurke, Zucchini, Paprika), Laub (Buchen-, Eichen-, Walnussblätter), Brennnesselblätter, Seemandelbaumblätter. Proteinreiches Futter (Frostfutter wie Artemia, Cyclops) nur 1× pro Woche – zu viel Protein fördert Algenwachstum und kann die Wasserqualität verschlechtern.
Häutung – die kritische Phase
Alle Garnelenarten – Caridina wie Neocaridina – häuten sich regelmäßig, um zu wachsen. Junge Garnelen alle 1–2 Wochen, erwachsene alle 4–8 Wochen. Nach der Häutung ist der neue Panzer weich, die Garnelen sind verletzlich und verstecken sich 1–2 Tage. In dieser Phase sollten sie nicht gestört werden.
Wichtig: Alte Haut nicht entfernen! Garnelen fressen sie zur Mineralstoffaufnahme (Kalzium, Magnesium). Häutungsprobleme – die Garnele steckt in der alten Haut fest – entstehen durch Kalziummangel, zu schnelle Wasserwechsel oder instabile Wasserwerte. Mineralstoffzusätze (z.B. Kalziumchlorid, Mineralsteinchen) können helfen.
Verstecke und Aquariumstruktur
Garnelen brauchen ausreichend Verstecke für Häutung, Eiablage und Rückzug. Ideal sind Moose (Javamoos, Weihnachtsmoos, Riccia), Wurzeln, Steine, Keramikröhren und dichte Pflanzengruppen. Je mehr Struktur und Oberfläche vorhanden ist, desto mehr Biofilm bildet sich – die wichtigste Nahrungsquelle für Garnelen. Ein gut bepflanztes Aquarium ist das beste Garnelenaquarium.
Vergesellschaftung mit Fischen
Geeignete Fische
Kleine, friedliche Fische, die Garnelen nicht als Beute betrachten, eignen sich gut zur Vergesellschaftung: Endler Guppys (Poecilia wingei), Otocinclus, Panzerwelse (Corydoras), Zwergpanzerwelse (Corydoras pygmaeus), Microrasbora, Boraras. Diese Fische fressen keine erwachsenen Garnelen, eventuell einzelne Jungtiere bei Neocaridina davidi.
Für die Zucht von Caridina logemanni (Bienengarnele) oder hochwertigen Neocaridina davidi-Farblinien empfiehlt sich ein reines Artbecken ohne Fische, um Verluste bei Jungtieren zu minimieren.
Ungeeignete Fische
Alle Fische mit großem Maul oder ausgeprägtem Jagdinstinkt fressen Garnelen: Skalare, Fadenfische, Barsche, Kampffische (Betta splendens), große Salmler, Barben. Auch vermeintlich "friedliche" Fische wie Platys oder Mollys fressen Garnelenbabys zuverlässig. Selbst kleine Fische können Caridina logemanni-Jungtiere dezimieren. Im Zweifel gilt: Für Garnelenzucht immer ein Artbecken ohne Fische einrichten.
Häufig gestellte Fragen zu Garnelen
Welche Garnelen sind für Anfänger geeignet?
Caridina multidentata (Amanogarnele) und Neocaridina davidi (Red Cherry Garnele) sind ideal für Einsteiger. Beide Arten sind robust, anspruchslos und tolerieren unterschiedliche Wasserwerte. Neocaridina davidi vermehrt sich leicht und eignet sich für erste Zuchterfahrungen, Caridina multidentata ist der effektivste Algenfresser und hält das Becken sauber.
Was ist der Unterschied zwischen Caridina und Neocaridina?
Caridina-Arten (z.B. Caridina multidentata, Caridina logemanni, Caridina mariae) bevorzugen weiches, saures Wasser (pH 6,0–7,0). Neocaridina davidi ist anspruchsloser und gedeiht in hartem, neutralem bis leicht alkalischem Wasser (pH 6,5–8,0). Die beiden Gattungen sollten nicht zusammen gehalten werden, da Kreuzungen bei bestimmten Arten möglich sind.
Können Garnelen mit Fischen zusammen gehalten werden?
Ja, aber nur mit kleinen, friedlichen Fischen wie Endlern, Otocinclus oder Panzerwelsen (Corydoras). Große Fische (Skalare, Barsche, Fadenfische) fressen Garnelen oder Jungtiere. Für die Zucht von Caridina logemanni oder hochwertigen Neocaridina davidi-Linien empfiehlt sich ein reines Artbecken.
Wie oft häuten sich Garnelen?
Junge Garnelen häuten sich alle 1–2 Wochen, erwachsene alle 4–8 Wochen. Nach der Häutung sind Garnelen weich und verstecken sich 1–2 Tage. Alte Haut nicht entfernen – Garnelen fressen sie zur Mineralstoffaufnahme. Häutungsprobleme entstehen meist durch Kalziummangel oder zu schnelle Wasserwechsel.
Warum sterben meine Garnelen nach dem Wasserwechsel?
Häufige Ursachen: zu kaltes Nachfüllwasser, zu großer Wasserwechsel auf einmal (max. 20–30%), Kupfer im Leitungswasser oder Chlor. Wasser immer auf Aquariumtemperatur bringen und langsam einlaufen lassen. Bei Verdacht auf Kupfer: Wasseraufbereiter mit Kupferbinder verwenden.
Wie erkenne ich, ob meine Garnele trächtig ist?
Trächtige Weibchen – ob Neocaridina davidi oder Caridina multidentata – tragen grüne, gelbliche oder orangefarbene Eier unter dem Schwanz (Pleopoden) und bewegen sie ständig zur Belüftung. Die Tragzeit beträgt je nach Art und Wassertemperatur 3–5 Wochen.